Der Hypnotist
Der Hypnotist

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Der Hypnotist

             

 

Spiegelsex

 

 

Der ehemalige Hypnotherapeut Otto Renansen ordnete nach seiner Scheidung sein Leben neu und gründete eine Firma für hypno-tisches Erfolgs- und Selbstmanagement. 

 

Verwirrende Aufträge konfrontieren ihn mit den Sehnsüchten nach Liebe und Sex, Ängsten und Schuldgefühlen seiner Kunden.

 

Gerade hat er seine eigene Bindungscheu überwunden und geheiratet, da wird er mit den sexuellen Problemen seiner Kunden und deren Perversionen konfrontiert.

 

 

**************

 

Wie offen ist offen

 

Otto Renansen hat sich angehört, was seine Kundin ihm erzählt. Ihm ist klar, daß die Situation nicht so offen ist, wie Frau Winter meint.

Seiner Meinung nach hat der Geliebte kalte Füße bekommen. Und wie der Ehemann reagieren wird, ist auch noch völlig offen. Aber ihre Entscheidung, eine eigene Wohnung zu beziehen, erscheint ihm konstruktiv. 

Und sie selbst scheint auch nicht wirklich offen zu sein. Er spürt, daß seine Kundin den Geliebten emotional bevorzugen würde. Trotz der Dinge, die sie mittels der Hypnose bereits herausgefunden haben. Aber ihr würde es gewiss auch schwer fallen, ihren Ehemann aufzugeben.

Nach wie vor scheint Frau Winter alles unverändert lassen zu wollen. Sie nennt das jetzt alles offen zu lassen. Aber wenn er das richtig sieht, bleiben nur zwei realistische Entwicklungen übrig. Die eine ist die, daß sie zu ihrem Mann zurückkehrt, vor allem wenn das Kind von ihm sein sollte. Oder, daß der Ehemann sich von ihr trennt. Denn daß dieser Rolf sie heiraten wird, glaubt er nicht.

Er denkt, der wird sich in der nächsten Zeit absetzen, vor allem, wenn das Baby da sein wird.

Aber er beschließt, seine Gedanken nicht zu äußern, um ihren Klärungsprozess nicht zu beeinflussen. Der Rückzug in eine eigene Wohnung ist auf jeden Fall konstruktiv. Das schafft Distanz nach allen Seiten.

Was er stattdessen anstreben wird, ist die weitere Auseinan-dersetzung von Frau Winter auf der Zauberwiese mit ihren Weisen Frau und dem Unbewussten. 

 

 

Drückebergerei

 

Otto Renansen hat kein gutes Gefühl bei seinem Kunden Mirka. 

In der letzten Hypnosesitzung hatten sie zwar die Verdrängung durchbrochen, die dieser über die beschämende und verletzende Szene mit seiner Verlobten gelegt hatte. Aber erstens war dieses demütigende und traumatisierende Erlebnis noch nicht verarbeitet. Und zweitens sagte ihm sein Gefühl, daß da noch etwas war.

Etwas was noch unter der gefundenen Szene lag und vermutlich auch früher im Leben von Siegfried Mirka. Denn er stellte sich die Frage, warum er damals zusammengebrochen war. 

Wenn er wenigstens den Versuch einer Verteidigung gemacht oder die Frau verprügelt hätte, wären seine Reaktionen verständlicher. 

Aber zusammenzubrechen und sich zitternd auf dem Boden zu wälzen, das waren nicht die normalen Verhaltensweisen eines Sechsundzwanzigjährigen. Das sprach für eine in jener Situation schon vorliegende psychische Problematik.

Wie auch die kürzliche Reaktion mit suizidalen Tendenzen wegen eines noch gar nicht entdeckten Rückfalles in die alte Fremdgeherei. Auch sie sprach für eine tiefergehende psychische Störung.

Er fragte sich ernsthaft, ob der Fall Mirka nicht den Rahmen eines Coaching sprengte und nicht eher ein Fall für einen Hypno-therapeuten wäre.

Aber seine Sorge war, daß sein Kunde, wenn er sein Coaching einstellen würde, den Halt verlieren würde und die Ehefrau die Geduld mit ihm.

So hatte er sich entschlossen, weiterzumachen und dafür gesorgt, daß die beiden Studenten wieder engagiert wurden. Auch hatte er Siegfried Mirka regelrecht verboten, die Studenten noch einmal zu entlassen. Er dürfe das nur mit seiner Erlaubnis tun, sonst werde er die Zusammenarbeit sofort mit ihm beenden, hatte er ihm gedroht. Und er hatte hoch und heilig versprochen, sich an diesen Auftrag zu halten.

Selbst hatte er sich vorgenommen, die Spur aufzunehmen und mit Hilfe des Unbewussten nachzusehen, was die psychischen Ur-sachen jener Unfähigkeit sein könnten. Warum er sich nicht effektiv im damaligen Streit mit der Verlobten schützen konnte.

Aber zunächst würden er ihm helfen müssen, die traumatische Reaktion auf die damalige Trennungsszene emotional und psychisch zu verarbeiten.

Wenn Siegfried Mirka heute kommen würde, müsste dies das Ziel ihrer Zusammenarbeit sein. Es sei denn, er würde ein anderes Thema anschneiden.

Aber es kam das Thema der letzten Hypnose zur Sprache.

„Das war schlimm beim letzten Mal, Herr Renansen!“ begann er. 

„Obwohl ich in meinem sicheren Ort, meiner Kindheitsbude dort im Fichtenwald, war, hat mich das doch arg mitgenommen. Be-sonders später noch. Und ich habe die Nacht darauf auch kaum schlafen können.

Das war damals alles wirklich sehr schlimm für mich!“

„Ich habe eine Frage an Sie, Herr Mirka. Ihre Verlobte hat Sie damals einen elenden Schnellspritzer genannt. 

Wenn Sie aber heute ein - wenn ich das so sagen darf - erfolgreicher Frauenbeglücker sind, dann können Sie das un-möglich heute noch sein. Wie haben Sie denn das Problem Ihrer Ejakulation präcox, also Ihres vorzeitigen Samenergusses gelöst?“

„Zunächst gar nicht. Mein Selbstvertrauen nach diesem Erlebnis mit meiner Verlobten war völlig weg. Ich habe mich nicht mehr getraut, etwas mit einer Frau anzufangen. Ich bin allen Frauen aus dem Weg gegangen.

Nach über zwei Jahren habe ich eine andere Frau kennengelernt. Die wohnte in meinem Stockwerk.

Wir kannten uns vom Sehen und von kurzen Gesprächen im Flur oder im Lift. Sie war jünger als ich und sehr attraktiv. Und ich hätte mich von mir auch deshalb niemals getraut, mit ihr irgendetwas anzufangen.

Aber ich habe ihr wohl gefallen und so hat sie mich zum Adventskaffee eingeladen. Zu Plätzchen und so. Und diese Ein-ladung habe ich angenommen.

Aber nach dem Kaffee gab es zu den Plätzchen Glühwein, denn sie zubereitet hatte. Und da hat sie mich einfach verführt.

Ich hatte eine schreckliche Angst, mich erneut zu blamieren und wollte eigentlich nicht mit ihr sexuell verkehren.

Aber dann habe ich allen meinen Mut zusammengenommen und ihr mein Problem gestanden und ihr gesagt, ich hätte Angst, sie zu enttäuschen.

Sie hatte sich vorher schon vor meinen Augen nackt ausgezogen und lag ganz verführerisch auf dem Bett.

Als ich ihr meine Not und meine Angst gestand, hat sie zu meiner größten Verwunderung ganz schrecklich angefangen zu lachen und sich regelrecht vor Lachen gekrümmt. 

Aber das war kein Auslachen wegen meines zu schnellen Samen-ergusses, sondern sie lachte über meine Angst, mich zu blamieren!“

„Wie kann man denn so blöd sein, so ein Geschiss darum zu machen, ob man früher oder später zum Orgasmus kommt!“ lachte sie und hatte wirklich Lachtränen in den Augen!

„Das ist doch ganz egal. Hauptsache, wir haben beide einen! Und wir mögen uns! Und haben unsere Lust!

Wenn Du zu schnell kommst, dann streichelst Du mich eben oder leckst mich. Oder Du machst es mir beim zweiten Mal.“

„Und so weiter. Ich war wirklich geschockt!

Und als wir es dann miteinander machten - und das war verrückt! - war mein Problem weg. Und es ist auch niemals mehr wiedergekommen.

Leider war unser Verhältnis nur von kurzer Dauer, weil sie nach Hamburg gezogen ist.“

Otto Renansen staunte. Eine so schöne und einfache Lösung des Problems so vieler Männer hatte er noch nie gehört. Doch er beschloss sofort, das zu nutzen und einen Erfolgstransfer einzu-leiten.

„Ja, das war eine schöne und überzeugende Lösung Ihres Problems. Und das war eine wirklich nette und reife Person, Ihre damalige Freundin. Das genaue Gegenteil Ihrer Verlobten.

Aber, was Sie daraus lernen können, ist, daß Sie schon immer ganz normal sexuell reagieren konnten. Sie haben es nur nicht gewusst!

Stattdessen haben Sie sich Sorgen gemacht, wollten vermutlich alles besonders gut machen und hatten Angst, etwas falsch zu machen und sich zu blamieren. 

Und Ihre blöde Verlobte hat noch genau in diese Kerbe gehauen!

Was halten Sie von der Idee, daß Sie von Natur aus ganz normal und positiv sind, daß Sie es aber noch nicht gemerkt haben?

Nun werde ich mich nicht nackt ausziehen und mich vor Ihnen hier auf dem Teppich krümmen. Aber ich könnte Ihnen doch sagen, es ist keine Schande, ein Problem zu haben. Und daß es nur eine Schande wäre, es nicht zu lösen?!

Und wenn Sie – ich provoziere Sie jetzt ein bißchen – rein zufällig entdecken würden, daß Sie eigentlich scheiß normal sind? Würden Sie dann nicht erkennen können, daß es verrückt ist, Frauen zu beglücken? Nur um sich zu bestätigen, daß Sie ein toller Hecht oder weiß ich was für ein toller Kerl sind?“

Siegfried Mirka musste lachen.

„Daß mit dem Teppich, das wäre doch einmal was! Wenn Sie ich Sie da sich herumwälzen sähe!

Aber ich glaube nicht, daß das so einfach wäre!

Schließlich mache ich das mit den Frauen nicht, weil ich mir etwas beweisen will oder Angst vor Frauen habe. Es ist ein Zwang, Herr Renansen, ein richtiger Zwang!“

„Das, was Sie einen Zwang nennen, ist nichts anderes als eine Verhaltensweise, die einem unbewussten Motiv folgt. Die einem, uns noch nicht bekannten Motiv folgt.

Etwas, was irgendetwas Negatives ausgleichen soll. Und dieses geheimnisvoll Negative hat Sie so wütend gemacht, daß Sie voller Wut Frauen beglücken. Auf Teufel komm’ raus! Und wenn Ihre Ehe und Familie dabei kaputt geht!“

Schulterzucken.

Er merkt, wie er ärgerlich wird.

„Er versteckt sich hinter seinem ‚Zwang’!“ denkt er. „Wenn es ein Zwang ist, der größer ist als er, hat er keine Verantwortung und ist ein armes Opfer von Dingen, die stärker sind als er.

Aber meine Aufgabe ist es, im deutlich zumachen, daß er kein Opfer, sondern der Täter ist. Wenn auch unbewusst.

Deshalb arbeiten wir doch mit dem Unbewussten! Damit er das erkennt und sich damit für ihn eine Chance eröffnet, sein Problem zu lösen. 

Dazu muss er aber Verantwortung übernehmen und auf sein Unbewusstes hören. Dann zeigt sich, daß er eigentlich kompetent und normal ist!

Und das ist der einzige wahre Unterschied zwischen Coaching und Psychotherapie: Patienten glauben nicht daran, daß sie verant-wortlich, kompetent und die unbewussten Täter bei der Entwick-lung ihrer Symptome und Erkrankungen sind.

Sie suchen jemand anderes, der angeblich kompetenter als sie ist und der die Verantwortung übernehmen soll. Damit sie weiterhin passiv und verantwortungslos bleiben können.

Kunden eines Coachings halten sich selbst für kompetent. Sie suchen Wissen und Methoden für eine Problemlösung oder per-sönliche Weiterentwicklung und manchmal auch einen Lehrer und Ermunterer.“

Er merkt, daß er räsoniert. Und weiß, daß das nichts bringt. Weder Patienten, noch Coaching Kunden.

Er ruft sich zur Ordnung und nimmt einen neuen Anlauf.

„Ich sage es noch einmal deutlicher, Herr Mirka: Üblicherweise haben Sechsundzwanzigjährige keine Schnellschussproblematik. So etwas hat man natürlicherweise nur bei den ersten sexuellen Begegnungen und verlernt das mit zunehmender Erfahrung schnell. 

Ein Sechsundzwanzigjähriger bricht auch nicht zusammen, wenn ihn eine Frau schlecht behandelt.

Der erkennt auch früher, wenn die Frau nichts taugt und zieht sich von selbst schon bald zurück.

All das spricht dafür, daß Sie in die Beziehung zu dieser Frau schon mit psychischen Problemen hineingegangen sind.

Das ist unabweisbar!

Also ist Ihr damaliger psychischer Zusammenbruch gut ver-ständlich. 

Sie waren der Situation einfach nicht gewachsen. Sie waren überfordert!

Sie hatten kein Coping, keinen Bewältigungsmechanismus zur Verfügung, wie das die Psychologen nennen.

Und zwar, weil Sie sich selbst nicht zur Verfügung hatten! Weil Sie schon Probleme mit Ihrem Selbstwert hatten. Oder mit anderen Dingen.“

Er überlegt kurz, dann setzt er nach.

„Wann hatten Sie denn die ersten Probleme im sexuellen Bereich?“

Siegfried Mirka wird unruhig und rutscht auf seinem Sessel herum.

Am liebsten, das sieht er deutlich, das sieht er völlig klar, möchte der Mann vor ihm ausweichen. Dann aber gibt er sich einen Ruck.

„Mit siebzehn.“

„Und was war das Problem? Worum ging es?“

„Da habe ich auch versagt.“

„Und wobei haben Sie versagt?“

„Darüber möchte ich eigentlich nicht sprechen.“

„Das ist Ihr gutes Recht, Herr Mika. Aber mein gutes Recht ist es auch, Ihnen klar zu sagen, daß ich nur mit Ihnen weiter zusammenarbeiten werde, wenn Sie mir berichten, was damals passiert ist.

Bitte überlegen Sie sich das! Für heute schließen wir.“

 

 

 

Die Kette der Probleme

 

„Ich glaube, Sie haben sich das letzte Mal über mich geärgert, Herr Renansen.

Aber ich habe mich wirklich geschämt. Und es fällt mir auch heute schwer, zu erzählen, was damals passiert ist.

Ich war damals siebzehn Jahre alt und der einzige von meinen Kumpeln, der noch kein Mädchen hatte und auch noch mit keinem geschlafen hatte.

Da bin ich mit meinem Fahrrad zu dieser Ausfallstraße gefahren, wo die Nutten standen. Es war aber schlechtes Wetter und so stand nur eine da. Die habe ich angesprochen.

Sie wollte es für fünfzig Mark mit mir machen. Und die habe ich ihr dann auch gegeben.

Sie ist dann mit mir in einen Seitenweg gegangen und hat sich an den Pfosten eines Zaunes gestellt. So unten auf das Gras, so daß sie höher stand, denn sie war ziemlich klein. Dann hat sie ihren Rock hoch geschoben und hat gesagt, ich solle sie ficken.

Aber ich wusste gar nicht richtig, wie das ging. Außerdem war ich furchtbar aufgeregt und hatte Angst, etwas falsch zu machen und mich zu blamieren.

Und als ich mein Glied aus der Hose geholt habe, da war es nicht steif. Da hat sie gesagt, ich solle wichsen und es steif machen. Aber es wurde einfach nicht steif.

Da hat sie mich ausgelacht und mich eine miese Schwuchtel geschimpft, die bei einer Frau keinen hoch bekäme. Und noch viele andere schlimme Sachen.

Schließlich hat sie ihren Rock wieder runtergeschoben und gesagt, das Geld würde sie behalten. Wenn ich kein Mann sei, könne sie auch nichts dafür. 

Und am Ende hat sie mich angeschrien, ich elender Wichser und Versager solle endlich verschwinden. Und noch viel schlimmere Sachen.

Mir war ganz schlecht vor Elend und ich bin zu meinem Fahrrad gegangen und abgehauen.

Danach war ich völlig fertig und habe mich verkrochen. Tagelang habe ich mich nicht getraut, aus dem Haus zu gehen, so habe ich mich geschämt. Dem Hausarzt habe ich gesagt, mir wäre übel und ich hätte es am Magen. Der hat mich dann für eine Woche krankgeschrieben.

Und natürlich habe ich niemanden etwas gesagt. Sie sind der erste Mensch, dem ich das erzähle.

Ich glaube, damals habe ich einen Knacks wegbekommen. Ich meine mit meinem Selbstvertrauen. 

Darum war das auch so schlimm mit meiner Verlobten, als die mich so fertig gemacht hat. Das war für mich wie bei der Prostituierten. 

Ich kam mir vor, als ob alles wieder so sei wie damals. Darum war ich so fertig!“

„Wieso sind Sie denn auf die Idee gekommen, Ihren ersten Geschlechtsverkehr ausgerechnet mit einer Prostituierten haben zu wollen? Und dazu noch im Freien?“

„Ja, weil ich mich an eine normale Frau oder ein Mädchen nicht herangetraut habe. Und weil die Frauen da an der Straße nicht so teuer waren. Ich war doch Lehrling und hatte nicht so viel Geld.“

„Also wollten Sie sich, wenn ich das richtig verstehe, für billiges Geld etwas beweisen. Nämlich, daß Sie mit den anderen Jungs mithalten können?“

„Ja!“

Siegfried Mirka guckt traurig und fährt sich über seine struppigen Haare.

„Also bestanden zu dieser Zeit Ihre Selbstwertzweifel damals schon?!“

„Ja.“

„Und woher kamen die?

Selbstwertzweifel erzeugt man immer selbst. Indem man negativ über sich denkt und sich nicht gelten lässt. Oder indem man zulässt, daß andere schlecht über einen denken und das annimmt, statt sich zu wehren.

Und wie haben Sie Ihren Selbstwert ruiniert oder ruinieren lassen?“

„Ich habe nicht an mich geglaubt, damals.“

„Und warum nicht?“

Siegfried Mirka weint plötzlich.

Als der weinende Mann sich beruhigt, ein Taschentuch aus der Hosentasche zieht und sich schnäuzt, wiederholt er seine Frage: „Und warum nicht? Warum haben Sie damals nicht an sich geglaubt?“

„Weil mich niemand mochte.“

„Niemand mochte Sie? Wirklich niemand?“

„Jedenfalls nicht richtig.“

„Ihre Kumpels mochten Sie nicht richtig und eine Freundin hatten Sie auch nicht. Haben Sie gesagt. Und wie war das in der Familie? Haben die Sie gemocht?“

„Da hat auch niemand mich gemocht!“

„Ihr Vater und Ihre Mutter haben sie nicht gemocht? Haben Sie noch Geschwister?“

„Eine ältere Schwester habe ich noch. Eine Halbschwester.“

„Und die war die Tochter von wem?“

„Die war aus der zweiten Ehe meiner Mutter. Die hat ihr Mann mit in die Ehe gebracht.“

„Und wie alt waren Sie, als diese Schwester, diese Halbschwester in Ihre Familie kam?“

„Die war fünfzehn Jahre alt und ich zehn.“

„Und was war mit Ihrem Vater zu der Zeit?“

„Der war schon tot. Der hat Blut erbrochen und ist daran gestorben. Der Arzt hat gesagt, daß wäre von seiner Trinkerei gekommen.“

„Hat er Ösophagus Varizen gehabt?“

„Was ist das?“

„So eine Art Krampfadern in der Speiseröhre. Die entstehen, wenn die Leber durch den vielen Alkohol kaputt und geschrumpft ist und der Druck der Venen im Brustkorb zu stark wird, weil sich das venöse Blut vor der Leber staut.“

„Ja, ich glaube, so etwas hat er gehabt. Aber genau weiß ich das nicht.“

„Und wie war Ihre Beziehung zum Vater?“

„Ich hatte kaum eine zu ihm. Der war immer besoffen. Jedenfalls am Ende. Gearbeitet hat er auch nicht. 

Die Eltern haben sich immer gestritten und manchmal haben sie sich auch wechselseitig verprügelt.

Ich habe wenig mit ihm zu tun gehabt. Ich bin ihm schon als Kleinkind aus dem Weg gegangen.“

„Und wie war Ihr Verhältnis zur Mutter?“

„Gut! Zum Anfang jedenfalls. Dann aber hat sie den Alfred geheiratet. So hieß ihr zweiter Mann. Und der hat die Elisabeth mit in die Ehe gebracht. Und von da an wollte meine Mutter nichts mehr von mir wissen. Von da an hieß es immer nur „Elisabeth, Elisabeth“!

„Und Sie wurden zum Störfaktor in der neuen Ehe?“

„Ja, als ich meine Lehre zu Ende hatte, haben sie mich raus-geschmissen. Rausgeschmissen, ohne daß ich eine müde Mark hatte! Nur das, was im Portemonnaie war.

Und ich durfte auch nicht mehr nach Hause kommen. Sie wollten mich nicht mehr sehen.“

„Hatten Sie irgendetwas verbrochen?“

„Nein, die wollten mich einfach nicht! Nur noch die Elisabeth.“

„Das war sicher schlimm für Sie?!“

„Ja, ganz schlimm! Ich hatte niemanden mehr!“

„War das vor der Geschichte mit der Prostituierten oder danach?“

„Kurz davor.“

„Herr Mirka, fragen Sie jetzt als erstes in Hypnose ihr Unbewusstes, ob die Szene mit der Verlobten die wichtigste Gründe für Ihre heutigen Probleme mit dem Fremdgehen und der Frauenbeglückerei sind!“ 

Die Antwort war „Nein!“.

„Dann fragen Sie bitte jetzt, ob das Erlebnis mit der Prostituierten der wichtigste Auslöser für Ihre derzeitigen Probleme mit der Frauenbeglückerei und dem Fremdgehen ist!“

Wieder war die Antwort ein „Nein!“.

„Wenn es das nicht war, fragen Sie bitte nach, ob die Verstoßung durch Ihre Familie der wichtigste Anlass für Ihre heutigen Probleme ist!“

Die Nein-Hand geht erneut hinunter.

Der Hypnotist ist ratlos und denkt nach. 

Schließlich bittet er seinen Kunden, auf seiner Zauberwiese die Weise Instanz zu fragen. Diese sagt ihm, es sei noch zu früh, die Wahrheit zu erfahren. Er dürfe die Wahrheit erst in vier Wochen erfahren.

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

 

der Roman  "Das Zweite Abitur" ist zu seinem guten Ende gekommen.  

 

Ab dieser Woche können Sie ab jedem Wochenende in der Reihe der Romane über die Abenteuer des "Hypnotisten"kostenlos in wöchentlichen Fortsetzungen den Roman "Spiegelsex" lesen.

 

Vielen Dank für Ihr Interesse!

 

Ihr Götz Renartz

 

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Der Hypnotist -

 

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Der Hypnotist –

 

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Roman von Götz Renartz

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