Der Hypnotist
Der Hypnotist

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Der Hypnotist

             

 

 

Lauf um dein Leben!

 

Der ehemalige Hypnotherapeut Otto Renansen hat nach seiner Scheidung sein Leben neu geordnet und eine Firma für hypnoti-sches Erfolgs- und Selbstmanagement gründet. 

Verwirrende Aufträge konfrontierten ihn mit den Sehnsüchten seiner Kunden nach Liebe, Tod und Rache. 

Furchtbare Fratzen und drohende Stimmen haben Annelisa Hart-mann in den Wahnsinn getrieben. Dreimal war sie schon in der Psychiatrischen Klinik. Beim vierten Mal ist sie extrem abgema-gert, weil sie alles erbricht. Nur Milch trinkt sie in großen Mengen. Die Schwiegermutter will sie loswerden, ihr Mann ist verzweifelt. Und niemand will mit ihr psychotherapeutisch arbeiten. Da nehmen Otto Renansen und seine Frau sie als Kundin für das hypnotische Selbstmanagement an. 

Zum Erstaunen seiner Frau lässt der Hypnotist sie Eier kochen. Und das Unbewusste will, daß sie schwarze Pferde striegelt. Wird sie sich mit Hypnose und ihrem Unbewussten retten können?  

 

**************

 

Die schwarzen Pferde

 

„Ich bin gekommen, damit sie mir helfen, die Wahrheit herauszufinden. Aber ich habe Angst! Angst, daß die Stimmen wiederkommen. 

Darum habe ich mich nicht getraut, alleine zu meinem Falken zu gehen.“

„Ja, das machen wir gerne!“ sagt Otto Renansen und Susanne Herr nickt. 

„Wir waren im Urlaub im Schwarzwald. Und da habe ich einen Traum gehabt, von dem mein Unbewusstes sagte, er handle von ihnen. Von der Kraft, die sie vor einem Zusammenbruch retten werde. Und daß sie mit dieser Kraft zusammenarbeiten sollten.“

Und er erzählt ihr seinen Traum und was sein Innerer Hypnose-therapeut dazu gesagt hat.

Als er geendet hat, schweigt Annelisa Hartmann.

Stille breitet sich im Raum aus. Aber es ist ein gute Stille.

Susanne durchbricht sie. 

„Annelisa, sie sind wichtig! Was möchten sie, das wir tun?“

„Ich möchte gerne mit meinem Falken sprechen. Und daß sie dabei auf mich aufpassen. Mein Unbewusstes hat gesagt, ich sei nicht in der Gefahr, daß die Stimmen wiederkommen, wenn ich meine Wahrheit erfahre. Aber ich habe doch Angst!“

„Gut!“ reagiert Susanne Herr. „Dann beginnen wir damit, daß wir zur Sicherheit noch einmal ihr Unbewusstes über die Hände fragen, ob sie die Wahrheit erfahren können, ohne daß ihnen das schadet. 

Und zusätzlich werden wir, wie beim letzten Mal, ihre hypnotische Schutzhand einrichten, damit ihr Unbewusstes sie schützen kann.

Als dies geschehen ist und das Unbewusste über die Hände den Weg freigibt, fordert sie der Hypnotist auf, zum Falken zu gehen und auch diesen zu fragen, ob er zusichern kann, daß sie keine Stimmen hören wird, wenn sie die Wahrheit erfährt. Die Wahrheit darüber, warum sie Probleme mit dem Essen hat und alles ausbricht, was sie nicht selbst kocht, außer Milch und Jogurt, und unter ihrer gefühlmäßigen Leere und Antriebslosigkeit leidet.

„Ja!“ sagt der Falke und fährt fort: „Du hast Angst, das stimmt. Aber es ist auch deine Wut, die dich hindert, die Wahrheit heraus-zulassen! Die Wut auf deinen Mann. Es fällt dir schwer, auf deine Rache zu verzichten.“

„Was für eine Rache?“ mischt sich Otto Renansen ein. „Bitte, fragen sie den Falken, wofür sie sich an ihrem Mann rächen!“

„Weil er mir etwas böses getan hat!“ sagt Annelisa mit leiser, kaum hörbarer Stimme und rutscht unruhig auf ihrem Sessel herum.

„Ich weiß, daß ich es weiß, aber ich kann mich nicht erinnern!“

„Erinnern sie sich nicht, weil sie dadurch weiter in Problemen bleiben und das ihrem Mann zusetzt? Ist das ihre Rache?“

„Ich glaube, der Falke glaubt das. Aber ich habe auch Angst!“

„Annelisa, ich glaube, es ist am einfachsten, wenn sie den Falken jetzt fragen, was sie machen sollen. Geht das?“

„Ja!“

„Dann tun sie es jetzt!“

Längere Zeit herrscht Schweigen. 

„Ich soll mit meiner Wut sprechen, sagt er. Aber ich weiß nicht, wie das geht.“

„Annelisa, nehmen sie bitte ihre Hände vor der Brust in Vorhalte! Sie wissen ja wie das geht. Und dann kann eine Hand von ganz alleine zum Kopf gehen. Wenn sie das Gesicht berührt, kann ihre Wut vor ihrem inneren Auge sichtbar werden. Sichtbar in einer Gestalt, mit der sie reden können!“

Gespannt warten sie ab, was geschieht, während die linke Hand der Frau langsam in kleinen Rucken aufsteigt und schließlich die Wange berührt.

Annelisa zuckt zusammen und hat sichtlich Angst.

„Was ist los, Annelisa?“ reagiert Susanne.

„Ich habe Angst, da ist ein riesengroßer Wolf!“

„Ruhig! Ganz ruhig! Fragen sie den Wolf, ob er ihre Wut ist!“

„Er hat geheult!“

„Und was heißt das?“

„Ich weiß nicht!“

„Bitte, fragen sie noch einmal!“

„Er hat wieder geheult. Noch lauter!“

„Dann heißt das ja. Fragen sie ihn bitte, ob er für sie ein Freund oder ein Feind ist!“

„Er hat geredet. Und er hat gesagt, er sei mein Freund, der einzige den ich hätte.“

„Glauben sie ihm?“

„Nicht so ganz.“

„Fragen sie bitte, was er als Freund für sie tut!“

„Er sagt, er hilft mir, mich an Franz-Anton zu rächen, weil der das verdient hat.“

„Und warum hat er es verdient?“

„Ich weiß nicht, ob ich ihn das fragen darf! Ich habe Angst, daß die Stimmen wieder kommen, wenn er mir das sagt!“

Der Hypnotist mischt sich ein: „Fragen sie den Falken, ob die Stimmen kommen werden, wenn sie die Wahrheit erfahren werden!“

„Der sagt, er lässt die Stimmen nicht kommen. Nur wenn ich nicht frage!“

„Er droht ihnen?“

„Ja, ich habe Angst vor ihm!“

„Annelisa, hören sie mir bitte gut zu! Der Falke ist ihr hypnoti-scher Problemteil. Eine in der Hypnose sichtbare Symbolisierung eines realen Anteils ihrer Psyche. Des Anteils, der alles über ihre Probleme und Symptome weiß und ihre Ursache. 

Er ist es, der dafür sorgt, daß sie Stimmen hören, unter ihrer inneren Leere leiden, Essstörungen und keine Kraft mehr haben. Er macht alle diese Symptome. Er hat die Kontrolle darüber. Er kann die Symptome auch wieder verschwinden lassen. Er wird das tun, wenn sie das Richtige für sich tun. Wenn sie das Falsche tun, wird er die Stimmen wieder gegen sie loslassen. 

Er will, daß sie zu der Frau werden, die sie eigentlich sind. Und er will, daß sie auch so leben, wie sie sind. So ist das immer!

Also, tun sie jetzt das, was er ihnen sagt! Haben sie Vertrauen zu ihm und ihrem Unbewussten!“

Ein kurzes Zögern, dann sehen sie feine Mundbewegungen. Annelisa spricht mit dem Wolf.

Sie beginnt heftig zu atmen und sie sehen den Puls an ihrem Hals rasen. Sie verkrampft die Finger in die Sessellehne. Dann weint Annelisa.

Lange und heftig.

Susanne reicht ihr ein Papiertaschentuch, damit sie ihr Tränen trocknen kann.

Als das Schluchzen aufhört, fragt Susanne Herr sanft: „Annelisa, warum weinen sie?“

„Weil er mich geschlagen hat!“

„Ihr Mann?“

„Ja!“

„Warum hat er sie geschlagen?“

„Weil ich nicht mit ihm schlafen wollte!“

„Hat er sie vergewaltigt?“

„Nein! Hat er nicht! Er hat mich geschlagen, weil ich so selten mit ihm schlafen wollte. Er ist wütend geworden.“

„Und dann?“

„Dann habe ich nachgegeben und habe immer mit ihm geschlafen, wenn er das wollte.“

„Sie haben sich aufgegeben? Sich ihm unterworfen? Sich seinen Wünschen angepasst?“

„Ja!“

„Und sich dabei selbst verloren?“ mischt sich der Hypnotist ein.

„Wahrscheinlich.“

„Was heißt wahrscheinlich? Fragen sie bitte den Falken, ob sie sich verloren oder selbst aufgegeben haben!“

„Er sagt, ja. 

Unser sexuelles Miteinander sei eine der Lügen, die eine Wahrheit sei.“

„Und was sagt die Wut dazu? Können sie die einmal fragen?“

„Sie sagt, ich mache dich leer und kraftlos und damit räche ich dich.“

„Und was sagt der Falke?“

„Das sei eine der Wahrheiten, die eine Lüge sei. Denn ich sei gar nicht leer und kraftlos. Ich solle mich an die Pferde im Stall erinnern.“

„Was für Pferde im Stall?“

„Als ich mich bei ihm beklagt habe, daß ich keine Gefühle mehr habe, hat er mir gesagt, die stünden prall genährt und gut gestriegelt im Stall. Ich hätte nur Angst vor ihnen.“

„Könnte es sein, daß sie gar keine Angst vor ihren Gefühlen hatten, nur vor der Wut? Respektive der Wahrheit über die Wut und was die angerichtet hat?“

Annelisa nickt. 

Sie hat aufgehört zu weinen.

„Annelisa, ich möchte, daß sie jetzt in den Stall zu den Pferden gehen! Fragen sie bitte den Falken, ob das in Ordnung ist!“

Wieder nickt sie.

„Dann gehen sie jetzt dahin, der Falke kann sie führen, wenn sie ihn darum bitten!“

Sie warten.

„Ich bin da. Es sind lauter schwarze, große Pferde. Sie sehen lebendig aus. Und haben schöne Mähnen und ein glänzendes Fell. Sie wiehern und scharren mit den Hufen. Sie wollen zu mir.“

„Fragen sie den Falken, was sie machen sollen! Wie sie Kontakt mit den Tieren aufnehmen sollen.“

„Ich soll ihnen Hafer geben und sie striegeln.“

„Tun sie das!“

Lange passiert nichts. Annelisa ist in einer tiefen Trance und sitzt regungslos vor ihnen. 

Sie lassen sie.

 

 

 

Wahrheiten und Lügen

 

„Wie ihr Falke gesagt hat, Annelisa, ist die Wut eine Wahrheit, die jedoch die Lüge ihrer Schwäche und Leere erzeugt.

Jetzt kenne sie die Wahrheit über diese Wahrheit und die Wahrheit über die Lüge ihre Schwäche.

Und ihre Wut ist verständlich. Das Verhalten ihres Mannes ist falsch gewesen.

Aber, warum wollten sie denn nicht mit ihm schlafen? Ohne daß sie sich ihm entzogen haben, wäre er nicht gekränkt und wütend und aggressiv geworden. Was war los auf ihrer Seite?“

„Ich weiß auch nicht! Ich hatte einfach immer weniger Lust mit ihm zu schlafen.“

„Fragen sie bitte ihren Falken, was die Gründe für ihren sexuellen Rückzug waren!“

Annelisa nickt, schließt die Augen und geht in Hypnose.

„Er sagt, ich sei wütend geworden, weil ich mich zu sehr ange-passt habe.“

„Was meint er damit?“

„Ich weiß nicht!“

„Fragen sie bitte nach!“

„Ich hätte mir zu viel Mühe gegeben. Ich hätte versucht, immer alles richtig zu machen. Und dabei mich verloren. Da sei die Wut in mir stärker geworden.“

„Die Wut war vorher schon da?“

„Vielleicht? Ich weiß nicht!“

„Fragen sie bitte nach! Fragen sie die Wut: „Wann bist du in mir entstanden, Wut!“

„Der Wolf sagt, er sei schon immer dagewesen, um mich zu schützen. Schon in meiner Kindheit. Aber da sei er zu klein und schwach gewesen. Jetzt sei er groß und stark.“

„Fragen sie bitte, wovor er sie in der Kindheit geschützt hat!“

„Er sagt vor allem.“

„Was heißt das?“

„Ich weiß nicht!“

„Fragen sie bitte nach!“

„Er sagt, das wolle er noch nicht sagen. Der Falke habe es ihm verboten.“

„Gut! Dann wollen wir da auch nicht weiter fragen.“

„Annelisa, warum wollten sie sich anpassen und alles richtig machen?“

„Weil ich meinen Mann liebe und ihm eine gute Frau sein wollte. Und weil ich mich geschämt habe wegen meiner Krankheit.“

„Ihre Psychosen?“

„Ja!“

„Otto, was machen wir jetzt? Wie machen wir weiter?“ Susanne  hat sich ihrem Mann zugewandt und sieht ihn fragend an.

„Das weiß ich auch nicht, Susanne! Wir sollten sie den Falken fragen lassen!“

Ohne Aufforderung geht Annelisa Hartmann erneut in Hypnose.

„Der Falke sagt, für heute sei es genug. Ich solle zuhause täglich in Hypnose gehen und meine Pferde versorgen und auf ihnen reiten. Er werde mir einen Sattel besorgen und mir zeigen, wie es geht.“

 

 

 

Arbeit im Stall und am Herd

 

Sie hat sich das leichter vorgestellt. 

Erst muss sie die Pferde füttern. Und es sind zwölf! Wahr-scheinlich für jedes Gefühl eines. 

Aber hat sie nur zwölf Gefühle? Sie weiß es nicht. Irgendwie kommt ihr der Gedanke an die zwölf Apostel Jesu. Aber dann schüttelt sie den Gedanken ab.

Wenn sie die Tiere gefüttert und getränkt hat, muss sie eines nach dem anderen striegeln. Den Tieren gefällt das gut. Ihr auch! Wenn es auch anstrengend ist. 

Was sie nicht gerne macht, ist ihren Mist mit der Gabel auf die Schubkarre zu schaufeln und dann die schwere Karre zum Misthaufen zu fahren.

Sie ist immer froh, wenn sie endlich die frische Streu in die Boxen werfen kann.

Was sie auch am Anfang unangenehm empfand, ist, daß der Pferdegeruch auf sie und ihre Kleidung übergeht und besonders in den Haaren hängen bleibt. Aber inzwischen hat sie sich daran gewöhnt. Nur den scharfen Geruch des Urins mag sie weiter nicht.

Große Freude hingegen bereitet ihr das Bewegen der Tiere. Gleich, ob sie ein Pferd auf der Wiese an der langen Leine im Kreise laufen lässt oder ausreitet.

Eigentlich ist es ja kurios! Sie hat nie reiten gelernt, aber in Hypnose kann sie es. Und die Pferde genießen es offensichtlich, mit ihr über die Wiesen und Felder zu traben. Sogar im Galopp ist sie schon mit ihnen geritten.

Der Falke hat ihr aufgetragen, in jeder Hypnose alle Tiere zu versorgen und zu bewegen. Gleich, ob an der Leine oder unter dem Sattel.

„Das sind deine Gefühle. Du bist verantwortlich für sie! Die müssen dir wieder vertraut werden!“ hat er ihr eingeschärft. Und sie hält sich daran, auch wenn damit ihre Trancen etwas anstrengend geworden sind und ihre Zeit kosten.

Aber heute ist etwas Merkwürdiges passiert. Die Lilli, ihr Lieblingspferd, mit dem sie am liebsten ausreitet, hat seine Farbe gewechselt! Es ist jetzt kein Rappe mehr, sondern ein prächtiger Schimmel.

Die Stute hat sie auch besonders freudig und mit lautem Wiehern begrüßt. Sie war ganz aufgeregt und ist ständig in ihrer Box herumgetänzelt. Deshalb hat sie Lilli auch als erste geritten.

Kaum auf der Wiese, wollte die Stute sofort angaloppieren. Aber sie hat sie mit etwas Mühe in den Trab gebracht und ihr erst später die Zügel frei gegeben. 

Ihr ist dabei doch ein wenig mulmig geworden, so ist das Tier mit ihr losgerast. Sie hat sich gar nicht getraut, in den Wald einzureiten und ist auf den Feldwegen geblieben.

Sicher hat das irgendwas zu bedeuten. Aber sie kann sich keinen Reim daraus machen. Sie wird den Hypnotisten und seine Frau danach fragen. 

 

Heute war sie einkaufen. Erstaunlicherweise ist es ihr gar nicht schwer gefallen. Es war einfach so wie früher, vor der Leere und Kraftlosigkeit. Das hat ihr Mut gemacht und sie denken lassen, daß sie auf dem richtigen Weg ist.

 

Sie macht sich Sorgen um Emanuel. Der Junge meidet jeden unnötigen Kontakt mit ihr. Auch schaut er ihr möglichst nicht ins Gesicht. Und wenn sie seinen Blick einmal fängt, schaut er schnell weg.

Aber sie hält sich an den Rat des Falken und versucht nicht, ihm wieder näher zu kommen. Nur, es tut ihr weh. Sehr weh!

Manchmal tröstet sie sich: „Wenn es mir weh tut, beweist das, daß ich wieder Gefühle habe. Irgendwann kann ich ihm wieder Gefühle zeigen.“

Und das ist auch eines der Motive, die sie jeden zweiten Tag, wie der Falke gefordert hat, zu den Pferden gehen lässt, um sie zu versorgen.

Morgens, wenn Franz-Anton auf der Arbeit und die Kinder in der Schule und im Kindergarten sind, nimmt sie sich die Stunde für die Hypnose. So lange benötigt sie ungefähr in ihrer Übung, um die Pferde zu versorgen und mit ihnen auszureiten.

Hinterher hat sie etwas Probleme, in den Alltag zurückzukehren, so tief sind ihre hypnotischen Trancen. Aber wenn sie sich danach einen Kaffee macht, wird sie wieder munter.

Auch sonst tun ihr diese starken Hypnosen gut. Sie ist ausgegli-chener geworden und optimistischer.

Seit sie sich ihrer Wut auf Franz-Anton bewusst geworden ist, fällt sie nur noch gelegentlich in Leere und Kraftlosigkeit zurück. Dann ist sie froh, wenn die Schwiegermutter einspringt und den Haushalt führt. Aber die meisten Aufgaben erledigt sie jetzt selbst.

Wo sie aufpassen muss, daß es nicht zu einer Sucht wird, ist das Kuchenbacken. Es fasziniert sie ungemein und sie hat begonnen, Herausforderungen anzunehmen und schwierige Cremetorten zu backen. Es gibt jetzt jeden Sonntag zum Kaffee eine davon. Manchmal zusätzlich noch eine Obsttorte oder einen anderen Kuchen.

Sie weiß auch nicht, was sie dabei treibt. Aber sie ist einfach fasziniert vom Kuchenbacken. Und sie spürt dabei, daß sie in einem hypnotischen Zustand ist, wenn sie bäckt. Sonst würden die Kuchen und Torten ihr auch nicht so gut gelingen. Sie haben immer einen besonderen Touch. 

Frau Maier hat gesagt, sie habe echtes Talent und nimmt sie jetzt als Assistentin zu ihren Backkursen mit. Sie freut sich immer, wenn sie den anderen Frauen und den einzelnen Männern, die daran teilnehmen, zur Hand gehen kann.

Sogar die Schwiegermutter hat sie schon für ihre Torten gelobt und um ein Rezept für ihre Mocca Torte gebeten.

 

Kürzlich hat sie allen ihren Mut zusammengenommen und Franz-Anton gesagt, wie sehr es sie verletzt hat, daß er sie geschlagen hat, weil sie nicht mehr so häufig mit ihm geschlafen hat. Und er hat sich tatsächlich entschuldigt!

Daß ihre Leere und Kraftlosigkeit und ihre Probleme, normal zu essen, und alles nicht Selbstgekochte außer Milch und Jogurt auszubrechen, mit diesem Erlebnis zusammenhängt, hat sie ihm nicht verraten. 

Sie erzählt ihm auch nichts von den Treffen mit ihrem Falken. Er weiß nur, daß sie in Hypnose einen Falken sieht und glaubt, das sei nur während ihrer Treffen mit dem Hypnotisten und seiner Frau.

Es bereitet ihr keine Genugtuung, das zu verschweigen. Sie möchte diesen Bereich nur ganz für sich haben. Sie spürt, daß das für sie wichtig ist. Daß sie diesen inneren Prozess schützen muss.

 

Sexuell hat sich auch etwas gewandelt. Nicht nur, daß sie jetzt auch oralen Sex haben und häufig in der Reitstellung miteinander schlafen, sondern daß sie wieder begonnen haben, sich zu küssen. Wie zu Beginn ihrer Ehe. 

Franz-Anton streichelt sie auch jetzt wieder und nimmt sie nach dem Akt in den Arm. Letztens sind sie sogar so miteinander eingeschlafen und er hat sich nicht von ihr weggedreht.

Das alles macht es auch ihr leichter, ihre Gefühle zu zeigen. Es hat sie erschreckt, aber sie hat laut stöhnend einen Orgasmus gehabt, als sie Franz-Anton ritt und erlebte, wie er zu seinem Höhepunkt kam.

Danach war sie ganz durcheinander und hatte wieder Angst. Aber dann hat sie sich gesagt, das ist doch normal. Das gehört sich so! Und sie hat beschlossen, jeden Orgasmus zuzulassen, der über sie kommt.

Sie will einfach wieder einen guten Kontakt zu ihrem Mann. Schließlich hat sie ihn aus Liebe geheiratet und hat zwei Kinder mit ihm. Und er hat viel durchgemacht in den letzten Jahren, als sie ihre Psychosen hatte.

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

 

der Roman  "Spiegelsex" ist zu seinem guten Ende gekommen.  

 

Ab dieser Woche können Sie ab jedem Wochenende in der Reihe der Romane über die Abenteuer des "Hypnotisten", kostenlos in wöchentlichen Fortsetzungen den Roman "Lauf um dein Leben! " lesen.

 

Vielen Dank für Ihr Interesse!

 

Ihr Götz Renartz

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